the
story
behind
Am liebsten trage ich schwarz,
aber meine Seele ist bunt...
Ich bin K O N T R A S T.
Mein Leben zwischen Blaulicht & Kunst.
Zwischen Gesetzestreue & Regelbruch.
Zwischen Trauer & Hoffnung.
Mein Name ist Serap Abdul und ich bin 36 Jahre alt, als ich mich dazu entschieden habe, diese Zeilen zu schreiben.
Meine väterlichen Wurzeln liegen im Irak, meine Mama ist aus Serbien und ich bin, genauso wie meine drei jüngeren Geschwister, in Deutschland geboren. Aufgewachsen bin ich im Sauerland in NRW. Ich bin stolz darauf sagen zu können, dass ich meine Muttersprache Serbisch fließend beherrsche. Und ich kann es nicht leugnen, aber meine Kaffeeliebe und mein Temperament stammen definitiv aus dem Balkan. Auch heute noch reise ich unglaublich gerne in die Heimatstadt meiner Mutter, nämlich nach Nis. Irgendwie immer auf der Suche nach meiner echten Heimat. Immer mit der Frage, wer bin ich eigentlich & wo gehöre ich hin.
Nach meinem Realschulabschluss und meinem Abitur bin ich 2009 für mein Jurastudium nach Gießen gezogen. Ich hätte es niemals gedacht, aber seit dem nenne ich diese Stadt und die Region mein Zuhause. Einen Gedanken daran, wieder in das Sauerland zu ziehen, ist mir nie wieder gekommen. Ich weiß nicht, was in den nächsten Jahren alles noch passiert, aber hier fühle ich mich wohl. Hier bin ich Zuhause.
Meine Mama hat es schon immer gesagt, daher sollte ihre Prophezeiung wahr werden:
"Serap, man kann dich nicht in ein Büro stecken. Du musst raus. Du brauchst jeden Tag neue Herausforderungen. Sonst langweilst du dich."
Sie hatte und hat immer noch Recht.
Deswegen warf ich 2013 mein Jurastudium nach 7 Semestern hin und ging zur Hessischen Polizei. Voller Stolz und Überzeugung. Mittlerweile bin ich seit 13 Jahren Polizistin und stehe auch heute noch absolut hinter dem Ideal, den dieser Beruf mit sich bringt. 7 Jahre im Frankfurter Bahnhofsgebiet und weitere Jahre im Kommissariat für schwere sexuelle Verbrechen zum Nachteil von Kindern zeichnen meine Laufbahn. Kein Einsatz zu groß, kein Einsatz zu spät, kein Einsatz zu gefährlich. Ich bin gerne Polizistin, egal, wie schwierig es oft ist.
Die Extremen des Dienstes waren immer meine Flucht, wenn das Schicksal im Leben ordentlich zugeschlagen hat. Und das tut das Leben eben. Zuschlagen.
Mittlerweile habe ich verstanden, dass ich anderen nur helfen kann, wenn ich mir selbst helfe und mich aus dieser Dunkelheit befreien kann. Durch die Kunst habe ich wieder gelernt, an das Gute im Menschen zu glauben und wieder Hoffnung zu schöpfen. Hoffnung, die ich restlos verloren habe, als 2018 unser jüngster Bruder mit 17 Jahren nach einem schwere Verkehrsunfall nie wieder die Augen öffnete. Kein Halt. Kein Boden unter den Füßen.
[ Selim 24.08.2000 - 27.04.2018 ]
Ich schäme mich nicht zu sagen, dass all' diese Ereignisse tiefe hässliche Narben hinterlassen haben. Der Dienst. Die Trauer. Die Zerrissenheit. Manchmal versuche ich sie zu berühren, um mich zu erinnern und zu fühlen. Manchmal schaue ich sie an und verliere mich in dieser tiefen Trauer. Manchmal leuchten sie, weil sie mich ausmachen.
Ich schäme mich nicht zu sagen, dass mir die Kunst durch meinen Burnout und meiner depressiven Episode 2025/2026 geholfen hat. Kunst ist reden ohne Worte. Kunst ist mein Licht in der tiefen Trauer auf dem kalten Boden. Kunst sind meine kleinen bunten liebevolle Zeichen, dass ich noch lebe. Und liebe.
***
Warum ich mich nach so langer Zeit dazu entschieden habe, meine Kunst zu zeigen?
'Schatz, mal' uns doch mal was Schönes für das Wohnzimmer.'
'Ach, Baba, wer will das schon sehen!'
Seitdem mein Papa plötzlich von uns ging, denke ich immer wieder an seine liebevollen Worte. Ich weiß nicht, was er in mir sah. Was er fühlte, wenn er mich malen oder zeichnen sah. Ich werde es nie erfahren. Diesen Satz fühle ich jedes Mal, wenn ich mein kleines Wohnzimmeratelier betrete. Ob ich mir dabei einfach die Farben anschaue oder mich an einer Leinwand austobe.
Baba, du bist der Grund, warum meine Farben endlich Licht sehen.
[ 01.07.1959 - 27.03.2025 ]
***
Meine Werke sind absolute Unikate. Von der Wahl der Leinwand, über die Auswahl der Materialien und das Motiv. Kein Bild gleicht dem anderen. Jedes entsteht aus der Tiefe meines Herzens. Spontan, wild, unberechenbar.
Ich entscheide mich ganz klar gegen Auftragsarbeiten, weil Kunst mein Anker in schwierigen Zeiten ist und war.
Ich male aus Liebe zu mir selbst. Aus Liebe zu meiner Familie.
Ich male vor allem, weil ich erzählen will. Fühlen und berühren will.
Und das ist das Besondere an jedem Werk: Jedes fertige Stück trägt eine eigene Geschichte. Kleine Momente, verlorene Gefühle oder tiefe Erinnerungen. Texte, die aus dem Moment entstehen. Worte, die ich wild in die Tasten tippe. Frei.
Nicht, dass Auftragsarbeiten das nicht könnten. Im Gegenteil.
Aber der süße Mikrokosmos meiner Kunst ist eine Botschaft an jeden: Eine Entscheidung für sich selbst bedeutet nicht, dass man sich gegen die Welt oder gegen die Menschen entscheidet. Es ist kein Egoismus.
Es ist einfach die Liebe, die man sich selbst schenkt. Der eigene Schutz, die Geborgenheit, die Stärke & die Heilung.
Meine Werke erzählen Geschichten, pur & ungefiltert. Wenn sie dich genauso berühren, wie mich, bin ich mehr als glücklich.
Und findet eines meiner Werke sein Zuhause in deinem Herzen, ist es für mich das Größte.
***
Hoffnung ist das, was uns am Leben hält.
Ob wir aufstehen oder ob wir einen Herzschlag fühlen.
Kunst ist meine Möglichkeit zu sagen, dass ich lebe & fühle, ohne gesehen zu werden.
***
Immer in Gedanken:
Kleiner Bruder [ 24.08.2000 - 27.04.2018]
Baba [ 01.07.1059 - 27.03.2025 ]
Danke an meine Familie. Ohne euch, wäre ich nicht.
Liebe.

Einblicke in die Entstehung eines Werkes.
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